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Ich erspare mir hier den Ausflug in die Vergangenheit, darüber gibt es ausreichend Literatur. Nur soviel: Nach dem 2. Weltkrieg war die Rasse Mastiff fast ausgestorben, es gab nur noch einige wenige Exemplare, die aber entweder zu alt waren für die Zucht oder keinen Nachwuchs brachten. Mit dem Rüden Templecombe Taurus, der wandernd auf der Straße aufgegriffen wurde, und zwei Importen aus Amerika versuchte man in England einen Neubeginn der Mastiffzucht. Besonders hervorzuheben ist hier u. a. der Hollesley Zwinger mit dem später unheimlich erfolgreichen Hollesley Medicin Man, der auch der Großvater meiner beiden ersten Mastiffs war. |
| Der Mastiff ist kein Hund für Jedermann. Er stellt Ansprüche an seine Umgebung und an seine Familie, darüber sollte sich jeder vor dem Kauf eines solchen Hundes im Klaren sein. Der Mastiff ist sowohl in der Anschaffung, wie auch in der Unterhaltung ein relativ teurer Hund. Dieser Hund sollte unbedingt eine Anschaffung für das ganze Hundeleben sein. Eine Weitervermittlung in andere Hände ist für diesen sensiblen Giganten eine Katastrophe. Er ist seinem Herrn in Treue unverbrüchlich verbunden, was man dann leider von manchen Herrchen nicht behaupten kann, aber das ist ein anderes, trauriges Thema. Als frühere Notvermittler haben wir Erstaunliches erleben können. |
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Ein Mastiff ist mit relativ wenig Mühe zu erziehen, man braucht aber ein gewisses „Händchen”. Es gehören dazu Konsequenz (nicht Härte!) und diese Konsequenz sollte gepaart sein mit der notwendigen Toleranz. Sie haben sich einen Giganten der Hundewelt gekauft und er wird sich nicht beim ersten „Platz” auf den Boden schmeißen, wie vielleicht ein Gebrauchshund. Kadavergehorsam fehlt ihm völlig. Er schätzt es auch nicht, seine Kommandos zugebrüllt zu bekommen, wie jeder Hund kann er viel besser hören als Sie. Unsere Mastiffs fassen Gebrüll als Strafe auf. Für die gegebenen Kommandos braucht er etwas mehr Zeit sie umzusetzen, schließlich hat er auch mehr Masse zu bewegen.(Hündinnen ca. 65-80 kg, Rüden ca. 90-100 kg). Solche Kleinigkeiten müssen Sie berücksichtigen sonst haben Sie ein Problem und Ihr Hund auch. |
Sie müssen sich auch darüber im Klaren sein, dass Sie sich keinen „Wandervogel” gekauft haben. Natürlich schätzt er angemessene Spaziergänge und sollte trotz seiner Größe und Schwere immer vital sein aber lassen Sie sich bitte nicht erzählen, dass er stundenlang hinter Pferden herläuft, Gebirgswanderungen sein Höchstes sind und es ihm eine Riesenfreude bereitet am Fahrrad hinterherzulaufen, wobei ich sagen muss, dass unser Sternchen, jetzt fast zwei Jahre alt, kaum ein Fahrrad auslässt, dass sich zu uns verirrt. Er ist gezüchtet als Wächter großer Grundstücke, er soll spurtstark sein, aber dazu braucht er keine Ausdauer. Auch die Riesenanwesen in England, wo er ursprünglich gehalten wurde, haben irgendwo eine Grenze. Von einem Schwergewichtler erwartet man ja schließlich auch keinen Balletttanz. |
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Hitze kann er nicht so gut leiden, an heißen Sommertagen wird er ganz Südländer und hält lange Siesta. Er liebt es Ihnen beim Arbeiten zuzuschauen, ich persönlich glaube, dass das ohnehin seine Lieblingsbeschäftigung ist. Dieser Hund braucht Platz um sich bewegen und „ausgehen” zu können und dazu gehört ein Grundstück. Er gehört nicht in eine Mietwohnung und schon gar nicht in den dritten Stock oder ähnliches. Denken Sie einmal darüber nach was ist, wenn er krank ist und nicht oder kaum laufen kann? Wer soll ihn tragen? Die Feuerwehr? Auch ist eine Zwingerhaltung für diesen familienbezogenen, hochintelligenten Hund eine blanke Katastrophe. Er braucht seine Familie, also sein Rudel um sich. |
| Wenn Sie ein paar Dinge beachten, bekommen Sie einen Traumhund, der an Loyalität und Liebe nicht zu überbieten ist. Er ist kein Raufer, kein Kläffer, unendlich geduldig und duldsam. Kindern gegenüber (wenn er sie kennt, kein Hund egal welche Rasse ist automatisch kinderlieb) wird er ein lieber Spielgefährte sein. Sein Leben besteht darin, seiner Familie gefallen zu wollen und sie unverbrüchlich zu lieben. | ![]() |
| Er hat natürlich noch einige andere Seiten an sich, die man unbedingt vorher wissen sollte. Er sabbert hingebungsvoll, was dazu führt, dass der Sabber beim Schütteln seines Kopfes durch die „Bude” fliegt. Im Augenblick haben wir fünf Mastiffs, zwei mit zehn einhalb Jahren, eine sechsjährige, eine vierjährige und unser Sternchen mit knapp zwei Jahren. Alle wollen sie im Laufe des Tages mehrmals ihre Liebe zu uns bekunden, das Resultat ist, dass wir relativ „bekleckert” aussehen. Und wenn sie denn so kommen und legen ihre Riesenköpf auf die Knie, werden diese schnell feucht. Für Sitzmöbel ist Leder angesagt und als tägliche Bekleidung für Herrchen und Frauchen etwas sehr Pflegeleichtes. Wobei es sicher ein Unterschied ist, ob ich einen solchen Kameraden habe, oder wie wir, ein Rudel. Und denken Sie daran, manche Besucher könnten mit ihm leicht überfordert sein und wir haben schon mehr als einen Interessenten erbleichen sehen, wenn unsere Meute fröhlich auf ihn zusprang. |
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Mastiffs können schnarchen, für den einen ein beruhigendes Geräusch, für andere eher gewöhnungsbedürftig. Wir hatten einen Rüden "Devil Dancer", wenn er sich vor den Kamin zur Ruhe legte, mussten wir regelmäßig den Fernseher lauter stellen, um überhaupt noch was zu verstehen. Mittlerweile wird diese Darbietung noch etwas überboten von Poppies und Sternchens Lautstärke. |
| Ein Mastiff ist stur, was er nicht will, will er nicht. Mit Gewalt erreichen Sie überhaupt nichts, sondern nur durch liebevolles Zureden. Zwingen Sie ihn nach Möglichkeit nie zu etwas, er verabscheut Zwang, alles sollte auf freiwilliger Basis passieren. |
| Eine andere kleine Anekdote mit unserem ersten Mastiffrüden Marsden Lord Eldon. Der Gute kam in die Trotzphase ( ungefährt vom 9. bis zu 18. Monat dauert so etwas) und entschloss sich, nicht mehr freiwillig ins Auto zu steigen. Er legte sich drei Meter vor dem Auto auf den Boden und basta. Mit meinem Mann als Hilfe, hoben wir ihn einige Male hinein, worauf er uns total angewidert anschaute. Nur guter Rat war teuer, als ich allein war. Mir fielen die Worte der Züchterin ein: "Nur mit Liebe und gutem Zureden." Ich umschmeichelte ihn und säuselte ihm viel Liebes zu (die Nachbarn müssen mich für völlig bekloppt gehalten haben) und was machte das gute Tier, sein Blick triefte vor Liebe, sein Gesicht bestand aus dicken Falten und er hopste ins Auto, nur für mich! Später brauchte ich immer nur schmeichelnd zu sagen: "Mach doch für Mama!", und er ließ die unangenehmsten Dinge über sich ergehen. |
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Was auch gut war, es stellte sich heraus, er war ein Steinbildner (also ein Hund mit Blasensteinen) und die Behandlungen, die er hat über sich ergehen lassen, zum Teil auch ohne Narkose, waren bestimmt nicht angenehm für ihn. Aber er nahm niemals etwas richtig übel und nachdem wir befürchten mussten, dass er die schwere Blasen-OP mit zwei Jahren nicht überleben würde, wurde er zu unserer Freude dann zwölfeinhalb Jahre alt. Ein toller Hund, ein super Charakter und wir werden ihn mit Sicherheit niemals vergessen. Selbstverständlich wurde er nie zum Decken eingesetzt, sondern kastriert. Wenn ich dann hier und da mitbekomme, dass mit Hunden gezüchtet wird, die aus belasteten Linien stammen, ärgert mich das sehr. Ich glaube nicht, dass jemand nachvollziehen kann, was es bedeutet so einen kranken Hund zu haben, wie schwer diese OP ist und die Nachsorge, übrigens eine teure Nachsorge für den ganzen Rest seines Hundelebens, wenn es denn überhaupt ein langes wird. |
| Der Mastiff ist generell ein sehr gelassener, freundlicher Hund, kann aber zur Zurückhaltung gegenüber Fremden neigen. (Ich meine Zurückhaltung, nicht Angst!) Aber man sollte sich nicht täuschen lassen, er ist durchaus bereit zu schützen und sein Anwesen und seine Familie zu bewachen, aber um in Aktion zu treten, muss es sich schon lohnen. Der Stromableser, der unaufgefordert einfach unser Grundstück betrat, hat das durchaus gemerkt. Er wurde nicht angegriffen, aber ordentlich in die Ecke gestellt, bis wir kamen. Im Laufe der langen Zeit mit unseren Mastiffs, manchmal waren es zwischen acht und zehn, hat es immer mal wieder eine Geschichte gegeben, wo unsere Hunde plötzlich dagestanden haben und haben dem Ankommenden bedeutet, bis hier hin und nicht weiter. Sie sind allerdings niemals agressiv geworden sondern blieben immer ruhig und besonnen. |
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Das gleiche gilt für Besuche, zum Beispiel beim Tierarzt. Oft langt ein Blick auf einen pöbelnden und rüpelhaften Hund, um diesen zum Schweigen zu bringen. Dann legen sie sich mit unnachahmlicher Arroganz hin, nach dem Motto „na, geht doch!” Ganz kurz noch ein unerfreuliches Thema in Sachen Mastiff. Wir haben Hundeverordnungen, jedes Bundesland eine andere und eine Verordnung ist dümmer als die andere. Einen Mastiff als Listenhund und potentiell gefährlich zu bezeichnen ist absolut hirnrissig und durch nichts gerechtfertig. Sie sollten sich aber vor der Anschaffung eines solchen Hundes informieren, wie es in ihrem Bundesland und in ihrer Gemeinde oder Stadt geregelt ist, um nicht plötzlich vor ungeahnten Schwierigkeiten zu stehen. |
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Dieses Ganze kann und soll auch nur ein grober Anriss sein. Für weitere Infos und Beratung stehen wir selbstverständlich gern zur Verfügung. Wir freuen uns auch über Ihren Besuch, natürlich nach Voranmeldung, da wir alle auch noch einen Beruf haben, schließlich müssen wir das Futter verdienen. |
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